1.Frage: Werden Sie häufig mit solchen Schicksalen konfrontiert?

Wir werden, statistisch gesehen, täglich –bis zu 5 mal– mit solchen Anrufen konfrontiert. Das ist oft von den Tagesaktualitäten abhängig. So hatten wir zum Beispiel das Thema Tod während des Golfkriegs und nach dem Atomunfall in Tschernobyl bis zu 30 mal pro Tag.

Wir haben auch von Kindern erfahren müssen, dass es Eltern gibt, die solche Ereignissen nutzen um sie zu besserer Leistung und zu kritikloserem Gehorsam zu zwingen. So drohten Eltern ihren Kindern mit der Abschiebung nach Kuwait wenn sie sich für die Schule nicht mehr einsetzen. Oder sie müssten verstrahltes Gemüse essen wenn sie nicht gehorchen. Acht Todesfälle in der Familie werden für „erzieherische“ Zwecke benutzt. So gibt es immer wieder Kinder die klagten, sie müssten im Sterbebett ihrer Grossmutter schlafen wenn sie nicht endlich in der Schule besser werden oder mehr gehorchen.

2. Frage: Gibt es auch Kinder die sich präventiv mit dem Thema "Tod" befassen?

Ja. Nach unserer Erfahrungen beschäftigen sich viele Kinder  - ab 5 Jahren-  mit dem Tod präventiv. So erzählten uns fünfjährige Kinder, sie möchten den Giftbecher trinken wie im Märchen, oder sie möchten ihre Mutter in einen Käfer verwandeln können um ihn dann zu zertreten. Er sind in der Regel Selbstmord- und Mordphantasien, die Kinder „präventiv“ gegen sich oder andere anwenden.

3. Frage: Wie kann man am besten auf solch schwierige Fragen reagieren?

Dazu ist es wichtig zu wissen dass es verschiedene Todeserfahrungsentwicklungen bei den Kindern gibt. Das sind: Der natürliche Todesumgang des Kindes und der kulturelle Todesumgang des Kindes.

Der natürliche Todesumgang

Nach unseren Erfahrungen gibt bei vorpubertären Kindern einen natürlichen Umgang mit dem Tod, respektive mit den sich daraus resultierenden Leichen. So spielen Kinder mit ihrem toten Meerschweinchen. Sie werfen es herum und reden mit ihm. Für das Kind wurde das Meerschweinchen durch sein Ableben zur Puppe. Nach ein paar Stunden lässt das Kind sein Meerschweinchen liegen. Nun kann dass Meerschwein begraben werden. Das Kind trauert ihm noch eine zeitlang nach, ohne starke seelische Erschütterung.

Der kulturelle Todesumgang

Im laufe seines Lebens bekommt das Kind zum natürlichen Umgang mit dem Tod einen kulturellen Umgang. Der kulturelle Umgang mit dem Tod ist das Resultat seiner Beobachtungen und lernen von der Umwelt. Während der Pubertät vermischen sich die gelernten und vererbten Umgangsformen zu seiner persönlichen Umgangsform.

Wie reagiert man am besten?

Bei vorpubertären Kindern ist es wichtig sich am "natürlichen Todesumgang" der Kinder zu orientieren. Mehr sachbezogen, weniger gefühlsbezogen. (Das Leben geht weiter. Der Verstorbene wäre sicherlich glücklich wenn es sieht das sich die Nachkommen nicht im Gram verlieren. Die grosse und tränenvolle Trauer ist dem Partner vorbehalten.)

Den Kindern muss ganz klar sein, dass der Tod etwas endgültiges ist, aber zum Leben gehört wie essen und trinken. Dass es aber natürlich ist, dass ihm der/die Verstorbene immer wieder in den Sinn kommt. Dass es ihn nicht einfach vergessen kann. Dann organisiert sich das Kind entsprechend und findet seinen neuen Lebensweg. Nachhaltig negativ bei Kindern wirkt sich das zu schelle Wechseln in den normalen Alltag aus. Bei pubertierenden Kindern ist es wichtig, seine Gefühlswelt verstehen zu versuchen. Dem möglichen Mitschuldgefühl zu achten. Trauerarbeit, wie Zeichnen, Musik hören, je nach Religion sich nach dessen Gebräuchen erkundigen und diese so bei Jugendlichen in Erinnerung rufen. Alles tun um ihm inneren Halt zu vermitteln.

4. Frage: Wie ist es möglich den Kindern auf eine bestimmte Art zu helfen?

Es ist wichtig ein Kind nach seinem Lösungsmodel zu fragen.

Lösungsmodel erfragen.

Bei der Hilfeleistung für das Kind oder den Jugendlichen ist es wichtig in Erfahrung zu bringen wie es sein Problem zu lösen gedenkt. So zum Beispiel fragen: "Was hast du bist jetzt gemacht? Oder wie würdest du versuchen zu helfen wenn jemand mit deinem Problem zu dir kommt?" Oder: "Wenn du Kaiser wärst, und alle Menschen müssten dir ohne Murren gehorchen, was würdest du Befehlen um dein Problem zu lösen?"

Jeder Mensch hat in der Regel ein spontanes Lösungsmodel. Wir haben festgestellt, dass viele Kinder Lösungsmodelle zu einem Problem in sich tragen, obwohl das Problem selbst noch gar nicht eingetreten ist. Zum Beispiel: Was tun wenn ich mich in einen Mann verliebe der mich schlägt? Oder was tun wenn ich einmal todkrank bin?

Wir nennen dies: "die theoretischen Probleme der Kinder die eine praktische Lösung verlangen". Viele Kinder grübeln an Lösungsmodellen herum und vergessen dabei völlig dass sie das Problem noch gar nicht haben. Negativ gesehen sind das Depressionen. Solche Menschen werden dann zu Problemtypen erklärt. Positiv gesehen sind das Lösungsmodelle, die sich der Mensch für den Eventualfall erdenkt um diese später, wenn das Problem da ist, "spontan" einzusetzen. Diese Menschen gelten als Konfliktlösungstypen.

Die Gehirnforschung hat erkannt, dass der Mensch ein Paralleldenker ist. Das heisst er kann Hunderte, wenn nicht gar Tausende Gedanken gleichzeitig denken, ohne das dies ihm bewusst wird. Philosophisch gesehen, gäbe es keinen Fortschritt, wenn das Lösungsmodell erst dann aus dem Nichts entstehen müsste, wenn das Problem eintritt. Hat das Kind kein spontanes Lösungsmodel, ist das "warum er keines hat" vorrangig zu behandeln. Jeder Mensch hat ein spontanes "natürliches" Lösungsmodel, an dem er sich orientiert. Es ist zu erfragen, welche pädagogische Erziehungsmassnahmen dem Kind das natürliche Lösungsmodel zu denken verbietet. Wird den Kindern das Lösungsmodelldenken erlaubt, so "sprudelt" es richtiggehend Konfliktlösungsvorschläge.

Beratung der Kinder beim Sorgentelefon.

Als sehr nützlich für junge Kinder (5 bis 10 Jahren) hat sich das Erzählen von Kurzgeschichten mit entsprechenden Thema, (2 bis 3 Minuten) bewährt. Bei älteren Kinder (11 bis 15 Jahre) sind Witze die sein Problem behandeln recht nützlich. Kurzgeschichten und Witze gelten als Problemöffner. Sie werden dann eingesetzt, wenn die Beratung davon ausgehen kann dass es im Kinderumfeld Personen gibt die adäquat auf das Problem reagieren können.

Sind keine Personen durch Kurzbefragung auszumachen, wird auf das Problemöffnen verzichtet und an dessen Stelle "Hausaufgaben" vorgeschlagen, z.B. ein Tagebuch zu schreiben. Ziel ist es das Kind zur Selbsthilfe (Tagebuch) oder durch die Beratungsschleife so zu stärken, dass es die Eltern eines Tages mit seinem Problem konfrontieren kann.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele solche Eltern, dessen Kinder nach dem Prinzip der Beratungsschleife geholfen wird, dem Kind das Sorgentelefon anschliessend verboten wired. Wir ermuntern das Kind in der Beratungsschleife deshalb immer, solche Verbote der Eltern dann zu respektieren, wenn sich seine Lage durch das Verbot auch wirklich bessert.

Über 90 Prozent der Kinder halten sich an das Verbot. Wenige Kinder haben uns, als sie volljährig waren, angerufen und erzählt was ihnen während der Zeit wiederfahren war. Aufgrund dieser Rückmeldungen kann davon ausgegangen werden dass den meisten Kindern die Beratungsschleife hilft da sie diese im Notfall als "Waffe" benutzen. Etwa: "Wenn du nicht aufhörst ruf ich das Sorgentelefon wieder an."

Wie können Lehrer den Schülern helfen?

Wichtig für die Schülerhilfe bei Tod-, oder Suizidproblemen ist: Kommen komplexe Probleme zum Vorschein, immer erst die einfachen Probleme angehen (sofern das Kind nicht selbst gefährdet ist, oder strafrechtlich benachteiligt wird.). Erst mit der Zeit die grösseren Probleme. Wird das nicht eingehalten, so kann das Kind die Lehrkraft zur Gehorsamserpressung gegen seiner Eltern einsetzen. (Wenn ihr nicht macht was ich will, dann sage ich’s dem Lehrer..) Das Kind beginnt seine Eltern zu "erziehen".

Die Eltern versuchen dann mit Hilfe des Mobbings die Autorität der Lehrkraft zu schwächen. Gelingt das in der ersten Phase nicht, beginnt die zweite Phase. Die Eltern verbünden sich jetzt mit anderen Eltern. Das zieht eine Solidarisierung unter den Schülern der Eltern mit sich. Die ganze Geschichte wird zum Familienclanthema.

Wenn es extrem kommt, kann der Lehrer oder die Lehrerin - aus heiterem Himmel - mit dem Vorwurf des sexuellem Missbrauchsverdacht konfrontiert werden. Damit aber solch ein Vorwurf gegen die Lehrkraft in seinem Ablauf überhaupt eine zerstörerische Kraft entwickeln kann, muss eine dieser Familien mit einer Inzestgeschichte belastet sein, von der in der Regel, ausser die Familie, niemand etwas weiss.

Nur so kann der Schüler der diesen Verdacht äussert in kombinatorischer Verlogenheit glaubhaft Dinge erzählen die so abgelaufen sein könnten. (Es entwickelt sich ein MM Fall: Missbrauch des Missbrauchs.) Was nicht selten zu einem Karrierenknick der Lehrkraft führt. Mobbing hat immer die psychische Erkrankung des Mobbing-Opfers zum Ziel. Beim Verlust eines für das Kind wichtigen Angehörigen sollte es eine bis zwei Wochen schulfrei bekommen. Man sollte ihm das auf jeden Fall offerieren. So dass es davon Gebrauch machen kann wenn es will. Dieses Vorgehen kann späteren pubertären Depressionen vorbeugen.

● Sorgentelefon für Kinder ● 0800 55 42 10 ● www.sorgentelefon.ch ●